"Der Geist des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden. […] Sie werden die alten Trümmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwüsteten Städte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben."
(Jesaja 61, 1.2.4)
Nach dem 2. Weltkrieg hat es in der Ortschaft Hartenrod (Landkreis Marburg-Biedenkopf), in der ich als Prediger der Evangelischen Gemeinschaft arbeite, durch die evangelistischen Dienste des Tabor-Bruders Alcides Jucksch (Brasilien) eine Erweckung gegeben. Viele Menschen sind zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Bis heute sind die Nachwirkungen dieser Erweckung an den Menschen in der Gemeinde und am Ort spürbar.
Die geistlichen Aufbrüche nach dem 2. Weltkrieg in vielen Orten und Regionen Deutschlands zeigen: Zerbrechen weltimmanente Wertesysteme und Überzeugungen, so kann Raum für besondere Erfahrungen der Gegenwart Gottes entstehen. Das Ausbleiben des Heils durch Hitler war nicht das Ende. Menschen haben Heil in Jesus Christus gefunden.
Krisensituationen für Menschen in der Gegenwart definieren sich heute anders als in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg: Krisen können heute z.B. durch Arbeitsplatzverlust, durch gesundheitliche Einschränkungen organischer oder psychischer Art, durch eine Suchtmittelabhängigkeit, durch die Gefährdung des Familienzusammenhalts, durch Tod eines nahen Angehörigen - u.v.a.m. entstehen. Jede dieser genannten Krisen hat ihre Besonderheiten und nimmt einen je eigenen Verlauf.
Aus theologischer Perspektive lässt sich eine Krise nicht nur allgemein als eine schwierige Lage oder Höhepunkt einer gefahrvollen Entwicklung beschreiben, sondern angelehnt an die Bedeutung des Wortstammes krinein im Neuen Testament hat eine Krise auch die Funktion, dass der Betroffene in die Entscheidung gestellt wird, eine Wahl, eine Prioritätensetzung, eine Unterscheidung zu treffen.
Auf der Basis dieses neutestamentlichen Verständnisses sind Krisensituationen auch Möglichkeiten, ja stellen oftmals die Notwendigkeit vor Augen, individuelle Grundüberzeugungen und Werte zu durchdenken, zu überprüfen und zu revidieren. So drängt sich zum Beispiel im Kontext einer Burnout-Erfahrung für die Betroffenen die Frage auf, ob Arbeit und Leistung auch in Zukunft wirklich so zentral im Mittelpunkt des Lebens stehen sollen. Als Christen wissen wir, dass die von der Gesellschaft favorisierten Wertvorstellungen alleine keine dauerhafte Grundlage für ein gelingendes Leben bieten können. Es ist dem Menschen nicht möglich, sich inmitten einer gefallenen Welt eine krisenfreie und heile Welt zu schaffen. Der Mensch ist zur dauerhaften Gemeinschaft mit Gott geschaffen. Nach Prediger 3,11 gibt es im Herzen des Menschen eine Antenne für die Transzendenz: Die Ewigkeit ist dem Menschen von Gott ins Herz gelegt. Das offenkundige Ausbleiben eines prognostizierten religionslosen Zeitalters und die neue Offenheit für Spiritualität können als Beleg für die anthropologische Relevanz dieser transzendenten Dimension gelten.
Der Gemeinde Jesu Christi gilt der Auftrag, die Botschaft des Heils in Christus Menschen in ganz unterschiedlichen Krisensituationen nahe zu bringen und - damit verbunden - die enorme diakonisch-missionarische Herausforderung in Gegenwart und Zukunft anzunehmen. Doch wie kann es gelingen, das Evangelium gerade für Menschen in Krisen transparent und plausibel vorzuleben und zu vermitteln? Auch wenn dieser Vergleich gewagt erscheinen mag: Der erste Schritt für den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg in den besonders zerbombten Städten Deutschlands hat konkret so ausgesehen, dass die so genannten "Trümmerfrauen" sorgfältig sortierten, was für den Wiederaufbau noch zu verwenden ist und was nicht. In gewisser Weise ähneln die Begegnungen mit Menschen während oder nach einer Krisensituation der Arbeit von Trümmerfrauen: Es ist nötig, in aller Trauer und Betroffenheit über zerstörte innerweltliche Heile-Welt-Vorstellungen auszuwählen, auf welchen fundamentalen Grundüberzeugungen nun ein Leben in Zukunft aufgebaut werden soll und kann und welche Trümmerteile für den Neuaufbau beiseite gelegt und entsorgt werden müssen.
Hier liegt m.E. die besondere diakonisch-missionarische Chance und Herausforderung für die Gemeinde Jesu in der Zukunft: Christinnen und Christen können anderen Menschen in Krisensituationen Wegbegleiter darin werden, ihr Leben nicht komplett wegzuwerfen, sondern mit Gottes Hilfe einen Neuanfang zu wagen, auch wenn das bedeutet, sich zunächst mit den Trümmern aus der Vergangenheit zu beschäftigen.
Dass das Heil allein bei Christus liegt und erst in der Ewigkeit alles heil sein wird, das macht Mut, ein versöhntes "Ja" zum Leben mit all seinen Begrenzungen zu finden:
"Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems, denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst."(Jes 52,9)
An drei verschiedenen Weg-Stationen des Volkes Israel sei der Zusammenhang von Krisenerleben und besonderem Eingreifen Gottes im Alten Testament exemplarisch nachgezeichnet:
Da ist zunächst die Knechtschaft in Ägypten (2.Mose 1f.) Das Volk erlebt Sklaverei und Unterdrückung. Dennoch nimmt die Zahl der Israeliten stetig zu. Die Krise des Volkes spiegelt sich wider in der spannungsvollen Verflochtenheit von Unfreiheit und Unterdrückung auf der einen und im Anwachsen seiner zahlenmäßigen Größe auf der anderen Seite. In ihrer Krise schreien die Israeliten zu Gott. (2.Mose 2,23ff.) Er erwählt Mose, der beim Pharao um die Befreiung seines Volkes bitten soll. Nach der 10. Plage lässt Pharao das Volk ziehen. Gott führt es 40 Jahre durch die Wüste und dann ins Gelobte Land. Die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens ist Gottes Tat. Dazu gebraucht er einen Menschen - Mose.
Eine zweite Station ist die Richterzeit: Wann immer die Feinde Israels ins Land einfallen und z. B. die Ernte vernichten, schreien die Israeliten zu Gott. Er beruft Richter für das Volk, die die feindlichen Völker (z.B. die Midianiter; Richter 6 f.) vertreiben. Doch die Hinwendung zu Gott hält oft nicht lange an. Geht es dem Volk besser, wendet es sich bald wieder von ihm ab. Gott als Notnagel - diese Erfahrung in Krisenzeiten ist möglich, aber nicht dauerhaft tragfähig.
Besondere Aufmerksamkeit verdient eine dritte Weg-Station der Israeliten: Die 70 Jahre andauernde Babylonische Gefangenschaft. An dieser Station lässt sich erkennen, dass auch Gott selbst Krisen heraufführen und zulassen kann. Das Volk wird verschleppt von der Weltmacht Babylon, ohne Aussicht auf Chancen einer eigens initiierten militärischen Befreiung. Gott beendet die Babylonische Gefangenschaft seines Volkes durch einen Erlass des Perserkönigs Kyrus. Das Volk darf in die Heimat zurückkehren. Gerade in dieser Situation des Volkes (Jesaja ab Kapitel 40) hält Gott enorme "missionarische" Verheißungen bereit: Wir erfahren von Trost und vom Ende einer Strafe (Jes 40), von der Erlösung (Jes 43), vom ewigen Friedensbund (Jes 54), ja sogar schon vom neuen Himmel und der neuen Erde (Jes 65). In Liedern wird ein Gottesknecht beschrieben, der das Volk sammeln soll und der sogar zum Licht für die Heiden wird. Gott hält seinem Volk die Zukunft offen - er will, dass es auch nach Krisen in jedem Fall "heimkehren" kann. Gott will, dass aus der letzten großen Krise eines jeden Menschen, dem Sterben, ein Heimkehren wird. Was für ein missionarischer Gott, der Sehnsucht nach seinen Menschen hat!
Zusammenfassend lässt sich vom Alten Testament her sagen: Auf das Schreien seines Volkes in Krisenzeiten antwortet Gott dadurch, dass er Menschen zum Handeln bevollmächtigt (Mose, Richter, Kyrus). Krisenzeiten können und sollen der Klärung und der Konzentration auf das Wesentliche dienen: dem Heilwerden des Gottesverhältnisses.
Vom Neuen Testament her ist es der gesandte Messias Jesus, durch den Gott sich der Krise des Menschen annimmt. Gott antwortet also auf die Verhältniskrise des Menschen zu ihm mit "Missio" - der Sendung seines Sohnes. Das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz zeigt: Ab jetzt geht es nicht mehr um die dem Menschen eigene (Selbst)-Gerechtigkeit, sondern um die geoffenbarte, stellvertretende Gerechtigkeit Gottes. Sie ist es, die aus der Verlorenheit vor Gott rettet. Dieser Gnade gilt es, Vertrauen zu schenken. Heil und Frieden mit Gott finden Menschen in Jesus Christus und in seiner Vergebung. Wenden sich im Neuen Testament Menschen aus Krisensituationen heraus an ihn, kommt es Jesus nicht auf ihre besondere ethisch-moralisch-religiöse Vorab-Befindlichkeit an, sondern vor allem auf das Vertrauen in ihn als Person, auf ihren Glauben an ihn als den Gesandten Gottes (Messias).
Die Begegnung mit Jesus Christus kann Menschen in eine krisenhafte Entscheidungssituation bringen, was ihre Zukunft bei Gott angeht. So will der reiche Jüngling (Lk 18,18-27) zwar von Jesus erfahren, wie er das ewige Leben erhalten kann. Er ist gottesfürchtig und hält die Gebote. Doch auf die Aufforderung Jesu hin, seine Güter zu verkaufen, geht er traurig davon. Die Begegnung mit Jesus bringt ihn in die Situation, wählen, entscheiden, Prioritäten setzen zu müssen. Er entscheidet sich dafür, an seinem Reichtum festzuhalten. Sein Besitz hat ihn unfrei für Gottes Zukunft gemacht.
Ein Beispiel für eine offen gelassene Wahl-Entscheidung ist die Situation des älteren Bruders im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32). Die Bibel schildert zwar die Bitte des Vaters um die Teilnahme des älteren an der fröhlichen Feier auf Grund der Heimkehr des jüngeren Bruders, doch von einer Entscheidung des Älteren erfahren wir nicht. Die Liebe des Vaters zu dem heimgekehrten jüngeren Sohn stellt den pflichtbewussten Älteren in eine Entscheidungssituation. Insofern wird an diesen beiden Beispielen deutlich, dass die Antwort des Menschen auf die Offenbarung der Liebe Gottes in Christus eine freiwillige ist und Gott niemanden zwingt. Eine missionarische Chance im Sinne einer vorliegenden Entscheidungssituation kann von Menschen sowohl vertan als auch hinausgezögert oder aber genutzt werden.
In Apostelgeschichte 16, 23-34 wird berichtet, dass Paulus und Silas in Philippi gefangen genommen werden. Der Gefängnisaufseher wird mit der Aufgabe betraut, beide zu bewachen. Mitten in der Nacht, als Paulus und Silas zu beten beginnen und Gott loben, erschüttert ein Erdbeben die Grundmauern des Gefängnisses. Die Türen öffnen sich, die Fesseln der Gefangenen fallen ab - und der Gefängnisaufseher schreckt aus dem Schlaf auf. Er befürchtet, alle Gefangenen seien geflohen. Er will sich umbringen - Suizidgefahr. Eine Lebenskrise - der Mann befürchtet, dass er am Arbeitsplatz versagt habe und dafür zur Verantwortung gezogen werden könnte. Es geht für ihn um Leben und Tod. Er bittet Paulus und Silas, ihm zu erklären, wie er sich retten lassen kann. Beide hatten die günstige Situation nicht genutzt, um aus dem Gefängnis zu fliehen. Der Aufseher kommt zum Glauben an Jesus Christus. Er und die Menschen, die zu seiner Familie gehören, lassen sich taufen. In der lebensbedrohlichen Krise ergreift der Mann seine lebensrettende Chance!
Durch die Begegnung mit Paulus und Silas und dem Ergreifen des Heils in Jesus erfährt der Aufseher Befreiung aus seinem inneren Gefängnis der Ausweglosigkeit. Wir erfahren nichts darüber, ob der Mann sich später darüber beklagt hat, Paulus und Silas hätten seine Krise missionarisch "ausgenutzt". Aber auch er hat es nach seinem Anfang mit Jesus damit zu tun, sich den Trümmern seines Gefängnisses zuzuwenden - so wie die Israeliten nach der Heimkehr aus Babylon unter Nehemia ebenfalls vor der Aufgabe standen, aus den Trümmern heraus etwas Neues aufzubauen.
Das Proprium der Verkündigung kann nicht darin liegen, dass sie für alle erdenklichen Krisensituationen des Lebens eine Patentantwort bereit hält. Dies würde den Verkündiger überfordern und der Verschiedenheit der möglichen Krisensituationen bei den Zuhörern nicht gerecht werden. Vielmehr kann und will die Verkündigung des Wortes Gottes bewirken, dass die Dimension der Transzendenz, der im Alltag oft vergessenen Gottesbeziehung neu zur Sprache kommt und zum Thema wird. Jesaja 40 beginnt mit der Aufforderung: "Tröstet, tröstet mein Volk!" Menschen nach einem Scheitern haben in Krisensituationen zunächst Trost nötig. Gott schenkt diesen Trost durch sein Wort und bietet zugleich unter dem Vorzeichen der Vergebung die Möglichkeit eines Neuanfangs. Unter der Verkündigung des Zuspruchs, aber auch des Anspruchs der Gegenwart Gottes kann es zur Sinnesänderung, zum Wertewandel kommen: Im Licht Gottes betrachtet kann z. B. deutlich werden, dass mögliche Sinninhalte wie Gesundheit, Reichtum oder Arbeit vorletzte und nicht letzte Bedeutung haben. Zuhörer in Krisensituationen können Mut fassen, unter dem Vorzeichen der bedingungslosen Liebe Gottes eine Neubewertung ihrer Prioritäten vorzunehmen. Verkündigung will in den Herzen der Zuhörer Raum schaffen und bieten für Metanoia - für Sinnesänderung, einen Austausch der Werte. Der sich selbst überfordernde Mensch, der in seiner Gottvergessenheit an Gottes Stelle getreten ist, darf zurücktreten und der Herrschaft Gottes zum ersten Mal oder wieder neu Raum geben. Bekommt seine Beziehung zu Gott neues Gewicht, können von daher auch alle anderen Beziehungen (zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Umwelt und zu Sachwerten) einen angemessenen Stellenwert erhalten.
Ein anderer Aspekt von missionarisch akzentuierter Verkündigung ist die Thematisierung des Selbstwertes. Menschen in krisenhaften Umbrüchen erleben häufig eine Verunsicherung im Selbstwertgefühl. Fragen nach dem Wert des eigenen Daseins entstehen, wenn eigene Überzeugungen aus der Vergangenheit infrage gestellt worden sind. Wer gesundheitlich, familiär oder finanziell vor einem Scherbenhaufen steht, sieht in der Regel seine Auffassung vom Leben hinterfragt und wird von Selbstzweifeln geplagt. Missionarische Verkündigung bringt zum Ausdruck, dass Gott unter allen Umständen unendlich viel Wert auf den Menschen legt: "Ich aber sehe auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert vor meinem Wort." (Jes 66,2). Gott misst dem Menschen in Jesus Christus einen ewigen Wert bei - wertvoller als in der ewigen Gemeinschaft mit Gott kann ein Leben nicht sein.
Eng verknüpft mit der Selbstwertfrage ist für Menschen in Krisensituationen die Frage nach Gemeinschaft und nach Zugehörigkeiten. Die Schriftgelehrten und Pharisäer zur Zeit Jesu haben Menschen mit und nach Krisen oftmals das Gefühl vermittelt, nicht dazugehören zu können und sie vom religiösen Leben ausgeschlossen. Jesus Christus ist auf die Kranken, die Zöllner und Sünder, die Verlorenen zugegangen und hat sie eingeladen in die Gemeinschaft mit Gott. Seine Mission war es, zu suchen und zu retten, was verloren ist (Lk 19,10). Missionarische Verkündigung will Menschen in Krisensituationen nahe bringen, dass Gott Gemeinschaft mit ihnen haben will und dass gerade sie bei Gott willkommen sind. Insofern öffnet eine Verkündigung, die einlädt zur Gemeinschaft mit Gott, auch Türen in die Gemeinde der Gläubigen hinein und macht Menschen in Krisen Mut, dazuzugehören und Gemeinschaft zu erleben. Die Messlatte für die Verkündigung sollte sein, Schwellen abzubauen und deutlich zu machen, dass Jesus die Tür ins Vaterhaus ist. Menschen in Krisensituationen sind in Gottes Augen nicht Missions-Objekt, sondern Subjekt eines Anfangs mit Jesus.
In der seelsorglichen Praxis des Gemeindealltags erlebe ich, dass Menschen in Krisensituationen dem Angebot der Wegbegleitung in der Regel sehr offen gegenüber stehen. Die Entscheidung für die Arbeit mit Menschen in der Seelsorge bedeutet: Ich bin bereit, mir als "Trümmermann" die Hände schmutzig zu machen. Mein Anliegen ist es, Menschen in Krisensituationen beim Sortieren der Bruchstücke zu helfen und vor allem - Fundamente für einen neuen Anfang anzubieten.
Dabei ist mir eine Unterscheidung wichtig: Zu Jesus und zum Heil ist es nur ein einziger, ein entscheidender Schritt. Es ist der ganz große Schritt, für den ich werbe, den ich meinem Gegenüber wünsche und für den ich bete. Im Blick auf die Bewältigung einer konkreten Krisensituation (z.B. Eheproblematik, Ablösungsprozess vom Elternhaus, Kinder loslassen, depressive Gedanken, Ängste u. a.) gibt es diesen einen, ganz großen Schritt in der Regel nicht - hier gilt es, zu den vielen kleinen Schritten Mut zu machen. Der Dienst als Seelsorger beginnt hier mit einer Portion Bescheidenheit: Ich halte in der konkreten Problematik auch die Augen offen nach einem Kyrus, der nichts davon hat, Menschen festzuhalten, an sich zu binden, sondern der ihnen erlaubt, Gottes Spur zu folgen. Kyrus-Dienste können geleistet werden von anderen Eheberatern, therapeutischen Seelsorgern, Psychotherapeuten, Ärzten, Schuldnerberatern. Gerade lange Jahre in der Gemeinde verwurzelten Christenmenschen fällt es oft schwer, sich die Dienste eines Kyrus gefallen zu lassen, weil sie nicht wissen, wie "gläubig er eigentlich ist". Dabei kann gerade in Krisensituationen die Fachkompetenz einer solchen Kyrus-Figur im Nachhinein deutlich machen: Die Person war Gottes Werkzeug zur Unterstützung bei der Bewältigung einer Lebenskrise. Gut ist es, wenn diese Person die Fundamente aus dem Wort Gottes heraus nicht untergräbt, sondern wie ein Kyrus den Betroffenen die Erlaubnis gibt, eine geistliche Heimat zu haben - eben in der Gemeinde.
Die Trümmerfrauen haben bei ihrer Arbeit etwas angepackt, was sie im Normalfall nicht selbst aufgebaut - und was sie nicht selbst zerstört haben. Haben wir als Seelsorger Zugang zum Leben anderer Menschen, so haben wir es ebenfalls mit Situationen oder Haltungen im Leben von Menschen zu tun, die wir nicht selber herbeigeführt haben. Die noch bessere Nachricht ist: Auch den Ort, an dem Trümmerteile von Schuld entsorgt werden können, müssen wir nicht selbst errichten: Gott hat diesen Ort Golgatha und darauf das Kreuz Jesu schon für uns eingerichtet. Jesus hat dort sein Leben dafür eingesetzt, um ein neues Fundament für uns zu legen. Die Frage nach der Schuld ist für Menschen in akuten Krisensituationen oft in der Hinsicht von Bedeutung, dass die Suche nach Sündenböcken und Verantwortlichen für die entstandene Krise einsetzt.
So wie wir uns im häuslichen Alltag viel Mühe bei der Mülltrennung geben (Papier, Altglas, gelber Sack usw.), lohnt sich auch bei der Einordnung von Schuld die Mühe einer differenzierten Betrachtungsweise: Wo sind Menschen zu Opfern von anderen geworden? Wo sind sie selbst Täter gewesen? Gibt es Sondermüll in Form von lange vergifteten Beziehungen oder fehlgeleiteten Motiven? Wo kann oder soll etwas ins Duale System einer Wiederverwertung, was dort nicht hingehört? Ist die Bibel als Option für eine Lösung der Situation bei den Betroffenen schon lange im Altpapier?
Die seelsorgliche Wegbegleitung von Menschen in Krisensituationen verlangt danach, sowohl das allgemeine einer jeden Krise wie auch das besondere der jeweils aktuellen Krise ins Blickfeld zu nehmen. Zu den allgemeinen Haltungen können gehören: Erlaubnis geben und Mut machen zum Abtrauern des Verlusts, bedingungslose Wertschätzung geben, zurückhaltend mit Ratschlägen sein, Übergänge, Unklarheiten sowie ambivalente Gefühle und Erwartungen aushalten, Geduld aufbringen, Ressourcen aktivieren helfen, Verantwortung nicht abnehmen. Nicht immer ist es z.B. in Beziehungskrisen möglich, dass aus Trümmerteilen Brückenmaterial für eine gemeinsame Zukunft wird. Je länger ich in der Seelsorge tätig bin, desto deutlicher wird mir, welch unglaublicher Ressourcengewinn es für Menschen in der Bewältigung akuter Krisen darstellt, wenn sie um Gottes Vergebung wissen, anderen vergeben können und wissen, Gott hält die Ewigkeit für sie bereit. Den Glauben an Jesus Christus sowie die Bedeutung der Bibel und des Gebets als Wertefundamente anbieten, und diese Werte so ins Gespräch bringen, dass sich beim Gegenüber ein Spielraum eröffnet für sich prozesshaft vollziehende Modifikationen in den Wertvorstellungen und Grundüberzeugungen - das ist meine Hoffnung. Ich bete darum, dass es zu heilsamen Relativierungen für vorletzte Fragen kommt (die ja oftmals in der Seelsorge die im Vordergrund stehenden Auslöser sind). Die Abhängigkeit zu Gott im Gebet hilft mir, einen passenden Zeitpunkt zu finden, auch über die letzten Fragen des Lebens und die Ewigkeitsdimension zu reden. Doch auch, wenn dies zunächst nicht möglich ist: Eine positive, unterstützende Erfahrung in der Seelsorge kann für Menschen in Krisensituationen zum Türöffner werden für die Annahme einer Einladung in einen besonderen, missionarisch gestalteten Gottesdienst. Die Seelsorge muss nicht all das leisten, was vom Schwerpunkt her die Verkündigung geben will - das gilt umgekehrt auch für die Verkündigung: sie muss nicht die Antworten bieten, die sich letztlich nur seelsorglich erschließen. Für Verkündigung und Seelsorge gibt es jeweils Prioritätskriterien. Und doch gibt es zwischen diesen beiden Teilgebieten des Predigeralltags Schnittmengen, die das Gegenüber selbst zur Sprache bringt. Die Fürbitte als Abschluss eines Gesprächs ist dann wie ein Doppelpunkt: Ich bin gespannt, wie Gott sich in der konkreten Krise des Gegenübers zeigt!
Da ist zunächst die Geschichte von Georg. Vor etlichen Jahren ist er durch eine schwere gesundheitliche Krise gegangen und musste sich stationär im Krankenhaus behandeln lassen. Während dieses Krankenhausaufenthaltes hat ihn der damalige Gemeindeleiter besucht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Georg nur sporadisch Kontakt zu unserer Gemeinde. Im Krankenhaus berichtet ihm der Gemeindeleiter, dass viele Menschen in der Gemeinde für seine Genesung beten. Georg ist so berührt von der Zusage der Fürbitte, dass er weint. Er fühlt sich durch die Tatsache angesprochen, dass Menschen, die er kaum kennt, für ihn beten. Diese erfahrene Liebe von Menschen aus der Gemeinde bewegt ihn. Georg wird offen für das Evangelium, und im Rahmen der weitergehenden seelsorglichen Begleitung durch den Gemeindeleiter vertraut er sein Leben Jesus Christus an. Von diesem Zeitpunkt an kommt er gerne in die Gemeinde. Inzwischen hat er noch viele gesundheitliche Krisen durchlaufen. Körperlich ist er sehr schwach, kann kaum mehr auf den Beinen stehen und muss viel liegen. Er kann die Gemeindeversammlungen nicht mehr besuchen, der Kontakt zur Gemeinde läuft über Hausbesuche und über den Kassettendienst. Bei Besuchen erzählt er gerne, wie sehr ihm die Verbindung mit Jesus Christus eine letzte und tiefe Geborgenheit in allen gesundheitlichen Rückschlägen schenkt. Er erzählt, dass die Ärzte während seiner Krankenhausaufenthalte andere Mitpatienten vor Operationen dazu ermutigt hätten, das Gespräch mit ihm zu suchen, weil er ganz viel Ruhe, Frieden und Zuversicht ausstrahlt. Der empfangene Friede mit Gott strahlt aus auf seine Umgebung, wenn er in all` seiner körperlichen Gebrechlichkeit sagt: "Mir kann nichts mehr passieren."
Ein anderes Beispiel ist die Geschichte von Erna: Sie gehörte schon einige Jahre zum Leserkreis des Blattes "Leben" der Stiftung Marburger Medien. Wir führten als Gemeinde eine missionarische Aktion durch, bei der die Leserinnen und Leser des Blattes auf einem Fragebogen ankreuzen konnten, für welches Thema sie sich im Rahmen eines Gottesdienstes am meisten interessieren würden. Erna nahm an der Befragung teil. Sie kreuzte als Wunschthema an: "Leid - warum lässt Gott das zu?" Tatsächlich stieß bei allen Teilnehmern der Befragung genau dieses Thema auf das größte Interesse. Ein Gemeindemitglied aus der Nachbarschaft konnte sie am Abend, als der Gottesdienst stattfand, zum Mitkommen motivieren. Die erlebte Gemeinschaft und das Wort Gottes sprechen sie an. Als ich sie Tage später zu Hause besuche, erzählt sie ihre Geschichte: Als Jugendliche kam sie im Rahmen einer Zeltevangelisation in einem Nachbarort zum Glauben an Jesus Christus. Im Erwachsenenalter hat sie den Kontakt zur Gemeinde verloren. Das Thema "Leid - warum lässt Gott das zu?" hat sie gleich aus zwei Gründen interessiert: Zum einen ist ihr Mann vor wenigen Jahren verstorben - zum anderen hat sie selbst vor einiger Zeit einen leichten Schlaganfall erlitten und kann nur noch mit Einschränkungen laufen. Seit dem erwähnten missionarischen Gottesdienst kommt sie regelmäßig in die Gemeinde, weil sie spürt, dass sie das Wort Gottes und die Gemeinschaft mit anderen Christen braucht. Inzwischen betrachtet sie die leidvollen Ereignisse in ihrem Leben im Rückblick als Notwendigkeit und sagt: "Gott hat mich dadurch wieder auf den rechten Weg gebracht - es sollte so sein." Der Verteilerin des Blattes "Leben" aus der Nachbarschaft ist sie sehr dankbar, weil diese nicht locker gelassen hat und Kontakt zu ihr gehalten hat. Inzwischen ist Erna Gemeindemitglied geworden. Ihre Kinder und sogar ihr Hausarzt nehmen die Veränderung in ihrem Leben wahr und sagen, sie sei "ein ganz anderer Mensch" geworden. Auf Grund ihrer Einsamkeit im Alltag blüht sie auf, wenn sie Gemeinschaft mit anderen Christen erlebt. Sie betet dafür, dass sich auch ihre Kinder und Enkel dem Glauben zuwenden.
In einer dritten und letzten Geschichte möchte ich aus dem Leben von Renate berichten: Auch sie gehört zum Kreis der Leser des Blattes "Leben". Gegenüber der Verteilerin des Blattes äußerte sie den Wunsch, von einem Pastor besucht zu werden. Als ich sie besuche, wird schnell deutlich, mit welchem Druck und welchen Ängsten sie zurechtkommen muss: Sie kann zu diesem Zeitpunkt nur mit Hilfe eines Sauerstoffgerätes überleben und wartet sehnlichst auf die Transplantation einer Lunge. Sie fragt, ob man mit Gott auch schimpfen dürfe. Ich erzähle ihr von den Klagepsalmen aus dem Alten Testament und mache ihr Mut zum ehrlichen Gespräch mit Gott. Die ersehnte Lungentransplantation hat inzwischen stattfinden können, doch der gesundheitliche Weg ist auch jetzt noch mit vielen Unsicherheiten besetzt. Seit dem Beginn der seelsorglichen Begleitung empfindet sie Gott gegenüber mehr Dankbarkeit als zuvor. Sie nimmt mehr und mehr Zeichen dafür wahr, dass Gott sie nicht vergessen hat. Glaubhaft erzählt sie, dass sie die gesundheitlichen Grenzerfahrungen der letzten Jahre näher zu Gott gebracht haben. Bei den Krankenhausaufenthalten ist die Bibel zu einem wichtigen Reisebegleiter für sie geworden. Wie in den Lebensgeschichten von Georg und Erna ist Gott auch im Leben von Renate am Wirken.
Auf der Basis eines biblischen Menschenbildes ist von der Schöpfung her jeder Mensch, nicht nur der an Jesus Christus Glaubende, mit der Fähigkeit zur Reflektion über transzendente Inhalte ausgestattet. Menschen machen sich Gedanken über Gott und die Welt, sich selbst und den Sinn des Lebens. An zwei Beispielen aus nicht-gemeindlichem Kontext will ich veranschaulichen, wie dieser Aspekt des Menschen in Krisensituationen berührt sein kann.
Im Rahmen meines Studiums der Sozialen Verhaltenswissenschaften habe ich ein Praktikum in der Psychiatrie in Magdeburg absolviert. Zum Programm gehörte die Teilnahme an Gruppentherapiesitzungen mit einer Patientengruppe. In der Theorie hatte ich mich mit den Faktoren für die Wirksamkeit solcher Gruppengespräche beschäftigt und wollte nun mittels einer Befragung herausfinden, von welchem der 12 Wirkfaktoren die Patienten in der Gruppe am stärksten profitiert haben. Das Ergebnis war, dass die Patienten am hilfreichsten erlebt haben, offen über existentielle Fragestellungen sprechen zu können:
"dass das Leben manchmal unfair und ungerecht ist."
"dass ich eingesehen habe, dass man einigen Schmerzen und dem Tod letztlich nicht entrinnen kann."
"dass ich die letzte Verantwortung dafür tragen muss, wie ich mein Leben lebe, gleichgültig, wie viel Rat und Unterstützung ich von anderen bekomme."
Diese Wirksamkeit des Redens über diese existentiellen Faktoren wurde von den Patienten für ihre Genesung hilfreicher bewertet als zum Beispiel die Hilfe durch den Gruppenzusammenhalt, Informationen zur Erkrankung oder die Entdeckung, dass jeder andere auch sein Päckchen zu tragen hat. Machen sich Menschen in einer Krisensituation wie z. B. einer psychischen Erkrankung Gedanken über existentielle Fragestellungen, haben Christen m. E. von Gott und der Bibel her die Möglichkeit, Antworten zu Voraussetzungen, Grundlagen und Rahmenbedingungen menschlicher Existenz anzubieten, die einmalig sind.
Ein anderes mögliches Krisenerleben ist die Geburt eines behinderten Kindes. Da unser Sohn als Frühchen zur Welt gekommen und sehbehindert ist, ist Kontakt zur Frühförderung für Blinde und Sehbehinderte Kinder entstanden. Im Rahmen einer Befragung für meine Magisterarbeit entdeckte ich, dass sich bei der Hälfte aller Eltern, die ebenfalls ein blindes oder sehbehindertes Kind haben, Veränderungen in der Einstellung zu Gott und Glaube vollziehen, dass Sinnfragen aufbrechen und dass die Frage aufbricht, "womit man das verdient habe".
Auffällig bei den Ergebnissen ist, dass bei den Müttern stärkere Veränderungen als bei den Vätern zu beobachten waren. Die Veränderungen vor allem bei den Müttern gingen weniger in die Richtung der Frage, wie ein liebender Gott das zulassen kann - als vielmehr in die Richtung größerer Nähe zu Gott und erfahrener Hilfe durch ihn. Auch ein anderes Ergebnis in diesem Zusammenhang war erstaunlich: Die Eltern konnten einschätzen, inwiefern sich ihre Lebensqualität durch die Geburt des behinderten Kindes verbessert oder verschlechtert hat. Das Ergebnis: Für die Wahrnehmung einer verbesserten Lebensqualität war es von entscheidender Bedeutung, dass die Mütter und Väter von sich sagten: "Ich habe in dieser Zeit das Beten wieder gelernt."
Jesus Christus spricht: "Ihr seid das Salz der Erde." (Matthäus 5,13)
Durch seine Gemeinde als Leib ist Jesus Christus in dieser Welt gegenwärtig. Er als Haupt ist unsichtbar im Himmel, und dort hat die Gemeinde ihre Wurzeln. Die Gemeinde als Leib ist somit eingespannt zwischen Himmel und Erde. Unsere Wurzeln sind oben - und wir dürfen ganzheitlich auf der Erde für Jesus unterwegs sein. Die Gemeinde als Leib ist somit gekennzeichnet durch ein Inter-Esse: Inter = dazwischen & Esse = Sein. Wir sind dazwischen: auf der einen Seite mit himmlischem Bürgerrecht bei Jesus zu Hause und auf der anderen Seite ragt der Leib hinein in die gefallene Schöpfung. Im Bildwort vom Salz der Erde spricht Jesus ebenfalls von der Bestimmung, dazwischen zu sein: Salz ist nur dann brauchbar zur Konservierung und zur Würze von Speisen, wenn es dazwischen ist. Gott zeigt der Welt durch die Gemeinde Jesu sein Inter-Esse, sein Dazwischen-Sein. Durch die Gemeinde, durch die Jüngerinnen und Jünger Jesu interessiert Gott sich für die Welt und ihre Menschen, weil er sie für sich gewinnen will. Aus Zeitgenossen sollen Ewigkeitsgenossen werden! Diakonisch-Missionarisches Handeln an Menschen in Krisensituationen kann von daher ganz schlicht damit beginnen, Interesse am Ergehen des Nächsten zu zeigen. Salz in der angemessenen Dosis macht Speisen geschmackvoll. Sich einmischen in Krisensituationen ist ethisch dann nicht mehr vertretbar, wenn wir damit dem Nächsten nur noch die Suppe versalzen wollen, wenn wir seine Geschöpflichkeit ignorieren und ausblenden. Weil die Erlösung mit der Inkarnation begonnen hat, dürfen wir Menschen in Krisen zugestehen, ganz Mensch zu sein. Das bedeutet, Trauer-, Übergangs- und Klärungsprozesse zuzulassen und auszuhalten und nicht abzuwürgen! Wollen wir als Salz der Erde unsere Wirkung in Wort und Tat behalten oder neu gewinnen, dann müssen wir uns bewusst machen: Salz an sich hat nicht die Funktion, satt zu machen oder den Durst zu stillen. Der Nächste soll nicht an uns seinen Lebenshunger oder -durst stillen, sondern Salz in der angemessenen Dosierung hat u. a. auch die Wirkung, dass es durstig macht. Geschmackvolles Einmischen in Krisensituationen des Lebens soll durstig machen nach lebendigem Wasser (Johannes 4). Wer uns abspürt, dass wir im Sinne der konservierenden Wirkung des Salzes uneigennützig etwas Wertvolles bewahren wollen, wird irgendwann neugierig nach der Quell-Motivation des helfenden Handelns.
Christen wissen um die Klimaveränderungen unserer Zeit auf zwei Ebenen: Während die Erderwärmung zunimmt, wird die zwischenmenschliche Wärme abnehmen. Jünger Jesu als Salz der Erde werden an der Liebe untereinander erkannt (Joh 13,34-35). Die Gemeinde Jesu ist der Ort, an dem die Agape zu Hause ist. Daraus resultiert für den Auftrag der Gemeinde Jesu, dass Menschen in Krisensituationen die Möglichkeit haben, in ihr dieser bedingungslosen Liebe begegnen zu können. Authentische Berichte von bewältigten Krisen und durchlittenen Kämpfen können andere Menschen in Krisensituationen stärken und aufbauen.Im Zeitalter der Wirtschaftlichkeit und der Ökonomie werden die Werte der Bibel nur dann glaubwürdig wirken, wenn sie so vermittelt werden, dass es uns unsere Zeitgenossen auch buchstäblich abkaufen können. Überhöhte Ideale und Ansprüche können dabei Gottes Berufungskritierien verdunkeln: was schwach und töricht vor der Welt ist, das hat Gott erwählt (1.Kor 1,27).
(1) Auftragsklärung: An welchen Brennpunkten diakonisch-missionarischer Arbeit wollen wir als Gemeinde vor Ort Inter-Esse zeigen und können einen Schwerpunkt setzen (z.B. in der Ehe- und Lebensberatung; im Suchtbereich; bei Menschen in psychischen Krisen; bei der Unterstützung von Selbsthilfegruppen o. ä.)?
(2) Orts- bzw. Regionalanalyse: Welche Angebote für Menschen in Krisen gibt es in unserer Umgebung bereits?
(3) Gemeindeanalyse: Welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gemeinde sind besonders begabt in der Begleitung von Menschen? Von welchen gemeindeinternen Arbeiten könnten sie zur Intensivierung ihrer Arbeit mit Menschen freigestellt werden? Könnten wir uns als Gemeinde an ihrer Fortbildung finanziell beteiligen?
(4) Bildung von Fürbitte- und Für-Glaube-Gemeinschaften für Menschen in Krisen (es sind 4 Personen, die in Markus 2, 1-12 den Gelähmten zu Jesus tragen).
(5) Vermittlung von Gebetspaten aus der Gemeinde an pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen über die ortsansässigen Pflegedienste.
(6) Ausbildung von Seelsorgehelferinnen und -helfern (im Sinne spiritueller Wegbegleiter) zur Bildung von Besuchsteams, z.B. Erwerb seelsorglicher Kompetenzen und Stärkung in der Auskunftsfähigkeit zur Beantwortung häufig gestellter Fragen ("Warum lässt Gott das zu?")
(7) Einladung von Mitarbeitern aus Einrichtungen und Werken mit diakonisch-missionarischer Zielsetzung zur Gestaltung eines Gottesdienstes bzw. eines Gemeinde-Info-Abends.
(8) Kooperationen mit Einrichtungen oder freien Werken, die eine diakonisch-missionarische Zielsetzung haben.
(9) Bereitschaft zur gemeindeinternen Fortbildung durch fachkompetente Personen fördern (z.B. Aufklärung über Sucht- und Abhängigkeitsprobleme; Krisenprävention für Ehen und Partnerschaften).
(10) Bereitstellung von Räumlichkeiten für spezielle Gesprächskreise (z.B. trauernde Angehörige) oder Selbsthilfegruppen.
(11) Ehrenamtliche Seelsorgetätigkeit in Kliniken, Krankenhäusern oder Heimen.
Lässt sich eine Gemeinde auf eine diakonisch-missionarische Schwerpunktsetzung ein, dann heißt es, befreit von Illusionen Mut zum langen Atem zu haben und damit zu rechnen, dass es sich zunächst kurzfristig nicht rechnet, nicht lohnt. Doch der eine, zunächst unbekannte Mensch, der Gottes Ruf an sich hört, könnte ein Abraham werden, für die ihm nachfolgenden Generationen (1. Mose 12). Es könnte jemand sein, mit dem Gott nach der Krise der Zerstreuung in Folge des Hoch-Hinauswollens (Babel, 1.Mose 11) etwas ganz Neues beginnen möchte: Dieser eine könnte ein Mensch sein, der glaubt, dass Gott ihn berufen hat, der gehorcht und der von nun an mit ihm in ein Land hinein unterwegs ist, das Gott ihm zeigen will.
Wir haben mit Krieg und Trümmern begonnen. Nicht immer sind es gleich Trümmer, die ein Mensch zu bewältigen hat - manchmal ist es einfach der sprichwörtliche Scherbenhaufen. Der Volksmund sagt: Scherben bringen Glück. Als Christen wissen wir, dass das nicht so ohne weiteres zutrifft. Doch wenn wir Menschen im Scherbenhaufen ihres Lebens Jesus bringen können, dann sind wir zu einem Werkzeug geworden, durch das Gott dem anderen ewiges Glück gebracht hat - ein neues Fundament, auf dem man aufbauen kann.
Reinhard Brunner rezensierte für uns das Buch des Monats Mai, das laut Untertitel Antwort geben möchte auf die Frage, "Wie Sinusstudien der Kirche helfen können, Menschen zu erreichen". Lesen Sie die Rezension nun online.
Am 18. Mai findet auf Initiative der Studierenden ein Sponsorenlauf für unsere Hochschule statt - und Sie sind herzlich dazu eingeladen! Weitere Infos finden Sie hier auf unserer Homepage sowie auf unserer Facebook-Seite.
Am 24. April 2013 laden wir wieder herzlich zu unserem Interessententag an der Evangelischen Hochschule TABOR ein. Alle Informationen dazu finden Sie nun online.
Das Buch des Monats April, "Mein Bibellexikon", ist ein Lexikon für Kinder. Die Rezension, diesmal von einem unserer Studenten verfasst, steht nun für Sie online.