
London 2007
352 Seiten, 15,99 € [D], ISBN 978-0061551826
Ist die Eschatologie nur eine einzige Spekulation und Jenseitsvertröstung? Ist die christliche Hoffnung nicht irrelevant? N.T. Wright, anglikanischer Bischof und (in der englischsprachigen Bibelwissenschaft) renommierter Neutestamentler wagt in diesem populären und verständlichen Werk einen eschatologischen Entwurf, der die leibliche Auferstehung Jesu ins Zentrum rückt.
Wright findet ein großes Echo in der amerikanischen emerging church Bewegung, die seine Auslegung des Neuen Testaments auf dem Hintergrund von römischen, hellenistischen und vor allem frühjüdischen Quellen als erfrischend und motivierend schätzen für Gemeinden, die die Welt verändern wollen. Surprised by Hope fungiert diesbezüglich als praktische Zuspitzung von Wrights größeren Werken zur Geschichte des ersten Jahrhunderts.
Im ersten Teil wird die Verwirrung über den Inhalt der christlichen Hoffnung beschrieben. Wright bedauert es, dass eine platonische Vorstellung von „in den Himmel kommen“ vielerorts für das Ziel und Ende des Christenleben gehalten wird und zu einem irrelevanten, unpolitischen Glauben geführt habe. Nicht Seelenspekulation, sondern die Auferstehung Jesu sei Ausgangspunkt der Eschatologie.
Die Auferstehung Jesu sei nur leiblich zu verstehen und auch historisch plausibel. An dieser Stelle überbietet Wright manche historische Apologien der Auferstehung insofern, dass er sich epistemologische Gedanken macht.
In einem zweiten Schritt demonstriert Wright, wie die Auferstehung Jesu und das damit verbundene „Ja“ Gottes zu seiner Schöpfung die traditionellen Themen der Eschatologie durchdringen können. Wir kommen nicht in den Himmel, sondern wir werden auferstehen und der Himmel kommt zu uns. Was Gott in der Auferstehung Jesu gemacht hat, will er für die ganze Welt machen; Gott wird die Welt erneuern. Dabei wendet sich Wright zwar gegen Fortschrittsdenken, sein Widerspruch gilt aber vor allem dem Platonismus und den (amerikanischen) neo-konservativen Endzeitspezialisten, weil ihre Predigt vom Untergang der Welt und der Entrückung der Christen die christliche Hoffnung und das christliche Zeugnis verdunkeln.
Im letzten Teil folgen Konsequenzen für eine eschatologisch reflektierte Praxis. Für Wright ist die Hoffnung, dass Gott die Welt in ihre Vielfalt erneuern wird, Motivation und Anstoß für kirchliches Engagement in allen Bereichen des Lebens. Die Mission der Kirche ist damit Antizipation der Zukunft der Welt.
Der kundige Leser wird an einigen Stellen an Moltmann erinnert – Wright ist aber vor allem Neutestamentler und schreibt in jedem Fall besser verständlich. Das Buch ist eine lohnende Lektüre für jeden, der durch Wrights exegetisch fundierte Arbeit die weltverändernde Botschaft des Neuen Testaments neu hören möchte.
Sam Shearn