Aktuelle Forschungsprojekte

Forschungsprojekt 1: Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband zur Zeit des Nationalsozialismus

Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband (DGD) mit Sitz in Marburg war zur Zeit des „Dritten Reichs“ der größte Einzelverband der evangelischen Gemeinschaftsbewegung. Im Jahr 1935 trat man aus dem Gnadauer Verband (dem Dachverband der Gemeinschaftsbewegung) aus, weil sich jener dazu entschlossen hatte, der „Arbeitsgemeinschaft der missionarischen und diakonischen Werke und Verbände“ beizutreten, welche der Bekennenden Kirche nahe stand. Der DGD ging seitdem bewusst einen eigenständigen „neutralen“, d.h. unkritischen und staatsbejahenden Weg. Dies ist zwar bisher allgemein unter Kirchenhistorikern bekannt, nähere Einzelheiten zu Abläufen, Motivationen und theologischen Begründungen sind allerdings bisher wissenschaftlich kaum erforscht worden. Das Forschungsprojekt möchte diese Lücke schließen, indem es die Archivalien des DGD untersucht und die wichtigsten Ergebnisse zugänglich macht. Dies wird dadurch unterstützt, dass die Forschungsstelle Neupietismus gezielt Bachelor- und Masterarbeiten über Einzelaspekte des Projekts anregt.

Bisherige Forschungsarbeiten:

  • Im Jahr 2007 hat OstR Werner Stoy nach 15 Jahren die Sichtung aller deutschen Archive des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbands im Hinblick auf die Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus abgeschlossen. Die auf 2700 Seiten detailliert dargestellten Ergebnisse liegen nun auf CD-Rom vor. In ihnen wird die mehr oder weniger starke Verstrickung mit dem „Dritten Reich“ in Bezug auf alle wichtigen Leitungskräfte und Einrichtungen des DGD detailliert und differenziert anhand von Aktenmaterial nachgewiesen. Die Ergebnisse sind bisher noch unveröffentlicht. Sie sollen nach und nach zusammengefasst und zugänglich gemacht werden.
  • Im Jahr 2008 hat Dieter Kartmann seine Bachelorarbeit zum Thema „Die Marburger Blättermission im Dritten Reich“ fertig gestellt.
  • Im Jahr 2009 hat Dr. Frank Lüdke den Artikel "Das Brüderhaus Tabor in der Zeit des Nationalsozialismus" publiziert. Er ist erschienen in Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009), 106-119.



Forschungsprojekt 2: Geschichte und Theologie des Neupietismus

Beschreibung: In diesem Forschungsprojekt sollen bisher unbeachtet gebliebene Teilbereiche neupietistischer Organisationsentwicklung und Theologie näher untersucht werden. Dies geschieht in erster Linie durch die Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten. Dadurch sollen Nachwuchswissenschaftler an das Themengebiet Neupietismus herangeführt und bisher unbekannte Quellen erschlossen und ausgewertet werden. Insgesamt soll dies die Untersuchung des Neupietismus unter kirchenhistorischen Gesichtspunkten fördern und in den Blick rücken.

Bisherige Forschungsarbeiten:

  • Michael Coppes hat im Jahr 2007 seine Bachelorarbeit zum Thema „Die Anfänge des Brüderhauses Tabor“ fertig gestellt.
  • Im Jahr 2009 hat Doris Möser-Schmidt den Artikel "Wie gründet man eigentlich ein Diakonissen-Mutterhaus?" über Wilhelmina Blazejewski (1851-1927), die Mitbegründerin des Gemeinschafts-Schwesternhauses Borken/Vandsburg, publiziert. Er ist erschienen in Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009), 74-88.
  • Im Jahr 2009 hat Dr. Thorsten Dietz den Artikel "Otto Stockmayer - Zwischen Glaube und Mystik?" publiziert. Er ist erschienen in: Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009), 89-105.
  • Im Jahr 2009 hat Elisa Knierim ihre Bachelorarbeit "Der Bußkampf August Hermann Franckes und seine Auswirkungen auf das neupietistische Bekehrungsverständnis" fertig gestellt.


Forschungsprojekt 3: Neupietistischer Gemeindeaufbau

Viele neupietistische Gemeinschaften haben in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung hin zu einem verstärkten Gemeindebewusstsein gemacht. Neben einer pragmatisch-unreflektierten Entwicklung sind damit auch gemeindekybernetische Grundfragen in den Blick gerückt, die seit einiger Zeit auch wissenschaftlich reflektiert werden. Dieses Forschungsprojekt will Untersuchungen zu diesem von der akademischen Fachwelt bisher kaum beachteten Segment des evangelischen Christentums in Deutschland fördern und zusammen führen. Dies geschieht vor allem durch Bachelor- und Masterarbeiten.

Bisherige Forschungsarbeiten:

  • Nina Malich hat 2006 ihre Bachelorarbeit „Der Gottesdienst in Landeskirchlichen Gemeinschaften“ fertig gestellt. Eine Zusammenfassung ihrer Forschungsergebnisse ist unter dem gleichnamigen Titel publiziert worden in: Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009) 120-135.
  • Stefan Höß hat 2007 seine Bachelorarbeit: „Gemeindegründung in Mittelfranken - eine Analyse der Gemeindegründungs-Initiative Kreuz&Quer in Weisendorf“ fertig gestellt.
  • Leah Cripps hat 2008 ihre Bachelorarbeit: „Is church membership a thing of the past? A study of key issues surrounding the institution of Church membership in postmodern context” fertig gestellt. 
  • Im Jahr 2008 hat Reinhard Brunner seine Masterarbeit mit dem Titel "Gemeindearbeit Evangelischer Gemeinschaften in postmoderner Wirklichkeit - Eine Reflexion anhand des Gemeindegründungsprojekts jesusfriends.de" fertig gestellt. Eine Zusammenfassung seiner Forschungsergebnisse erschien unter dem Titel "Evangelische Gemeinschaften als postmoderne simple-churches - Chancen der Gemeinschaftsbewegung zur Gemeindearbeit in postmoderner Wirklichkeit" in: Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009), 167-183.
  • Im Jahr 2009 hat Martin Bauer seine Bachelorarbeit "Die liturgische Bedeutung des gottesdienstlichen Segens in Landeskirchlichen Gemeinschaften" fertig gestellt.
  • Im Jahr 2009 hat Kerstin Heinrich ihre Bachelorarbeit "Herausforderungen der Berufsbild- und Rollenfindung von Frauen im Hauptamtlichen Dienst" fertig gestellt.


Forschungsprojekt 4: Neuere Konzeptionen neupietistischer Theologie

Im Bereich des Neupietismus werden neue theologische Ansätze in vielfältiger Weise aufgenommen. Auch die gegenwärtigen kulturellen Veränderungen durch die Postmoderne haben schnell ihren Niederschlag in der christlichen Theologie gefunden. Vor allem durch die engen Verflechtungen mit dem angloamerikanischen Evangelikalismus kommt es immer wieder dazu, dass theologische Entwicklungen in neupietistischen Gruppen sehr schnell in konkrete Konzepte für die Praxis umgesetzt werden. Dieses Projekt möchte die gegenwärtigen Entwicklungen kritisch begleiten und durch theologische Untersuchungen unterstützen. Dies geschieht vor allem durch Bachelor- und Masterarbeiten.

 Bisherige Forschungsarbeiten und Studientage:

  • Kathinka Hertlein hat 2007 ihre Bachelorarbeit: „Micah Challenge - Gottes Wille oder Social Gospel? Eine Beschäftigung mit der Integralen Mission am Beispiel von Micah Challenge.“ fertig gestellt.
  • Daniel Hufeisen hat 2008 seine Bachelorarbeit: „The Missional Church“ - Missionale Gemeinde in Deutschland“ fertig gestellt. 
  • Am 28.11.2007 fand in der Ev. Hochschule Tabor ein Studientag mit 200 Teilnehmern zum Thema “Emerging Church” statt. Referenten waren der Vordenker der Bewegung Brian McLaren (USA), und Jason Clark (GB), der Verantwortliche für Emergent-UK, einem lockeren Netzwerk von rund 2.000 Pastoren und Leitern quer durch alle Konfessionen in Großbritannien. Durch den Studientag sollte auf die neusten Entwicklung in der evangelikalen Bewegung aufmerksam gemacht werden, in der sich der Neupietismus auf die Postmoderne einstellt. Am Vormittag sprach Brian McLaren zum Thema: „Postmoderne als geistig-geistliche Herausforderung – eine Analyse“, am Nachmittag ging es um das Thema: „Emerging Church als Theologische Herausforderung“. Dies wurde in Gesprächsgruppen und in einer Podiumsdiskussion diskutiert.
  • Am 3.4.08 und 5.6.08 fanden als inhaltliche Weiterführung zwei öffentliche Studientage mit Dr. Heinzpeter Hempelmann an der Ev. Hochschule Tabor statt. Sie setzen sich damit auseinander, inwiefern wie der christliche Wahrheitsanspruch unter den veränderten Denkvoraussetzungen der Postmoderne noch geltend gemacht werden kann. Das Thema lautet: „Kenotische Partizipation: Philosophisch begriffene Postmoderne als Herausforderung für christliche Theologie und Kirche“. 


Forschungsprojekt 5: Die Praxis neupietistischer Gemeindearbeit

Neupietistische Gemeinschaften zeichnen sich vor allem durch eine vielfältig aufgefächerte praktische Gemeindearbeit auf. Vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit orientiert man sich dabei meist wenig reflektiert an Arbeitsmaterialien und Konzeptionen aus dem englischsprachigen Bereich. Dieses Forschungsprojekt soll dazu beitragen, dass die einzelne Bereiche der tatsächlich gelebten Praxis empirisch in den Blick genommen und systematisch analysiert werden . Dies soll dazu dienen, ein genaueres Bild über den real existierenden Neupietismus zu gewinnen und Hilfen für die Gemeindearbeit bereit zu stellen. Dies geschieht vor allem durch Bachelor- und Masterarbeiten

Bisherige Forschungsarbeiten:

  • Benjamin Stock hat 2007 seine Bachelorarbeit: „Jugendkirchen in Deutschland“ fertig gestellt.
  • Stefan Morbach hat 2008 seine Bachelorarbeit: „Jesus House – Jugendevangelisation der Gegenwart?!” fertig gestellt.
  • Tim Herzog hat 2008 seine Bachelorarbeit: „Training von ehrenamtlichen Mitarbeitern in der christlichen Jungschararbeit“ fertig gestellt.
  • Johanna Pahl hat 2008 ihre Bachelorarbeit: „Chancen und Grenzen christlicher Schuljugendarbeit in Deutschland dargestellt am Beispiel von "Pais Neumünster" und "esta e.V. Görlitz" fertig gestellt.

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02. September 2010

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01. Juni 2010

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