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Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband zur Zeit des Nationalsozialismus

Forschungsbeschreibung

Der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband (DGD) mit Sitz in Marburg war zur Zeit des „Dritten Reichs“ der größte Einzelverband der evangelischen Gemeinschaftsbewegung. Im Jahr 1935 trat man aus dem Gnadauer Verband (dem Dachverband der Gemeinschaftsbewegung) aus, weil sich jener dazu entschlossen hatte, der „Arbeitsgemeinschaft der missionarischen und diakonischen Werke und Verbände“ beizutreten, welche der Bekennenden Kirche nahe stand. Der DGD ging seitdem bewusst einen eigenständigen „neutralen“, d.h. unkritischen und staatsbejahenden Weg. Dies ist zwar bisher allgemein unter Kirchenhistorikern bekannt, nähere Einzelheiten zu Abläufen, Motivationen und theologischen Begründungen sind allerdings bisher wissenschaftlich kaum erforscht worden. Das Forschungsprojekt möchte diese Lücke schließen, indem es die Archivalien des DGD untersucht und die wichtigsten Ergebnisse zugänglich macht. Dies wird dadurch unterstützt, dass die Forschungsstelle Neupietismus gezielt Bachelor- und Masterarbeiten über Einzelaspekte des Projekts anregt.

Projektrahmen

Projektleiter

Prof. Dr. Frank Lüdke

Laufzeit

Seit 2006

Fördereinrichtung

Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband

Zusammenarbeit

Vergabe von Master- und Bachelorarbeiten an der EH TABOR

Bisherige Forschungsarbeiten

  • Im Jahr 2007 hat OstR Werner Stoy nach 15 Jahren die Sichtung aller deutschen Archive des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbands im Hinblick auf die Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus abgeschlossen. Die auf 2700 Seiten detailliert dargestellten Ergebnisse liegen nun auf CD-Rom vor. In ihnen wird die mehr oder weniger starke Verstrickung mit dem „Dritten Reich“ in Bezug auf alle wichtigen Leitungskräfte und Einrichtungen des DGD detailliert und differenziert anhand von Aktenmaterial nachgewiesen. Die Ergebnisse sind bisher noch unveröffentlicht. Sie sollen nach und nach zusammengefasst und zugänglich gemacht werden.
  • Im Jahr 2008 hat Dieter Kartmann seine Bachelorarbeit zum Thema „Die Marburger Blättermission im Dritten Reich“  fertig gestellt (Zugänglich über die Bibliothek der EH TABOR).
  • Im Jahr 2009 hat Dr. Frank Lüdke den Artikel „Das Brüderhaus Tabor in der Zeit des Nationalsozialismus“ publiziert. Er ist erschienen in Frank Lüdke (Hg.): Glaube in Erfahrung (Marburg 2009), 106-119.
  • Im Jahr 2013 veröffentlichte Frank Lüdke den Aufsatz: „Ich möchte jetzt nicht so tun, als ob ich ‚immer dagegen’ war.“ – Hans Bruns und der Nationalsozialismus, in: Sarx, Tobias/Scheepers, Rajah/Stahl, Michael (Hg.): Protestantismus und Gesellschaft. Beiträge zur Geschichte von Kirche und Diakonie im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Jochen-Christoph Kaiser zum 65. Geburtstag, Stuttgart 2013, S. 463–475.

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