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Evangelisation und Musik

Forschungsbeschreibung

Pietistische Gemeinschaften haben sich auf musikalischem Gebiet oftmals weniger an der klassischen Kirchenmusik früherer Epochen orientiert, sondern eher auf Volkstümlichkeit, eingängige Melodien und zeitgemäßen Musikgeschmack geachtet. Insbesondere war das der Fall, als im 19. Jahrhundert in den USA die Musik als unterstützendes Element für Erweckungs- und Missionsveranstaltungen entdeckt wurde, die sich an entkirchlichte Massen richtete. Um 1875 kam es diesbezüglich zu einem transatlantischen Kulturtransfer auf den deutschen Neupietismus. Schlüsselfiguren dafür waren der nordamerikanische Evangelist Dwight L. Moody (1837-1899), der 1873 den Sänger und Komponisten Ira David Sankey (1840-1908) gewinnen konnte, seine Evangelisationsansprachen durch Liedvorträge und die Anleitung gemeinsamen Singens moderner Erweckungslieder zu unterstützen. 25 Jahre lang bildeten die beiden ein kongeniales Team, an deren Arbeitsform sich im 20. Jahrhundert viele Evangelisten auch in Deutschland orientierten. Dadurch kam es zum Durchbruch von englischen Erweckungsliedern und Spirituals in Deutschland, die besonders in Freikirchen und in der Gemeinschaftsbewegung aufgenommen wurden, auch wenn sie von der etablierten kirchlichen Hymnologie aus ästhetischen und nationalistischen Gründen lange Zeit eher verächtlich angesehen waren. Bis in die Gegenwart hinein erweist sich gerade der evangelikal geprägte Neupietismus als besonders offen für die Nutzung von Popularmusik im Rahmen evangelistischer Verkündigung (vgl. ProChrist). Dies soll durch eine Analyse der Konzeption von Moody und Sankey verständlich gemacht werden.

Projektrahmen

Projektleiter

Prof. Dr. Frank Lüdke

Laufzeit

04/2017 - 03/2019

Förderung

Haushalt der EH TABOR

Vernetzung

Historische Kommission zur Erforschung des Pietismus

Vorträge

„Feel the Spirit! Die Verknüpfung von Evangelisation und Musik bei Dwight L. Moody (1837-1899) und Ira David Sankey (1840-1908) und ihre Auswirkungen auf den deutschen Neupietismus“
Vortrag beim V. Internationalen Kongress für Pietismusforschung „Gefühl und Norm“ vom 26.-30.8.2018 in Halle

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