Orientierung

22.02.2018: Nachruf auf Billy Graham

Nachruf auf Billy Graham

 

„Ich hätte nie gedacht, dass ich so alt werde“, schrieb er noch 2011 („Vom Segen der späten Jahre“). Nun ist Billy Graham gestorben, mit 99 Jahren, in der Hoffnung auf die Ewigkeit bei Jesus. Und die allseits erscheinenden Nachrufe würdigen, wahlweise und mit welchsender Gewichtung: 

  • seine Bedeutung für die evangelische Christenheit in Amerika und weltweit („America’s Pastor“),
  • seine evangelistische Leidenschaft und die Reichweite seiner Veranstaltungen,
  • seinen energischen Redestil, der ihm den unseligen Spitznamen „Maschinengewehr Gottes“ einbrachte — für manche allzu frontal, für andere faszinierend und herausfordernd,
  • seine Experimentierfreudigkeit mit den neuen Medien seiner Zeit, Radio, Fernsehen und Satelliten-Übertragung,
  • seine Nähe zu fast allen amerikanischen Präsidenten des späten 20. Jh.s, sowie zu Staatsführern weltweit,
  • seine Nähe auch zu so fragwürdigen Präsidenten wie Nixon und deren Positionen,
  • seine Bereitschaft, solche und andere Positionierungen zu überdenken und im Rückblick auch Fehler einzugestehen,
  • seine Bereitschaft, für die Evangelisation auch über unüberwindlich scheinende Grenzen zu gehen, hinter den eisernen Vorhang in die Sowjetunion und sogar nach Nordkorea (was ihm viel Kritik einbrachte),
  • seine Eindeutigkeit in der Frage der Gleichberechtigung von Schwarzen und Weißen, seine Weigerung, rein „weiße“ Veranstaltungen durchzuführen, und das schon in den 1950er Jahren,
  • seine Beharrlichkeit — bei aller Lautstärke -, in seiner Verkündigung Jesus in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Verlorenheit des Menschen,
  • seine persönliche Integrität und die geradezu verblüffende weitgehende Skandalfreiheit eines langen Lebens.

 

Das alles könnte man weiter ausführen, stattdessen lassen wir ihn hier selbst zu Wort kommen, aus einem Interview mit Larry King im Jahr 2005:

KING: Don’t you feel your own importance in the world? 

GRAHAM: No. 

KING: You do not? 

GRAHAM: No. I think that’s the reason the Lord let me get sick quite often. Because he knocked me down to teach me about my own mortality. (…)

KING: (…) do you wonder why you were chosen? 

GRAHAM: Yes. And I’ll ask the Lord the first thing when I get to heaven. Why me? Why was I allowed to go all over the world and preach the gospel? I didn’t have any talents nor abilities. I was a farm boy. All I had was a college degree, and I didn’t go any further. I wish I had. But I wish – one of my great wishes is that I had gotten more education.

 

Aus unserer Sicht ein besonders schönes Schlusswort.

 

Ein anderes findet sich im Neuen Testament:

Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens. (Hebr 13,7)

 

Prof. Dr. Matthias Clausen

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