Orientierung

20.10.2020: Online-Symposium 2020: Glauben ohne Angst

Das Online-Symposium 2020 hat begonnen. Es ist ein kostenloses Programm des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie. Das Thema diesen Jahres lautet:

GLAUBEN OHNE ANGST? Gottvertrauen in einem neuen Zeitalter der Angst

Die Angst rund um Corona hat alle anderen Ängste in den Hintergrund gedrängt. Wir leben wirklich in einem neuen Zeitalter der Angst. Welche Rolle spielt da der Glaube? Wie kann Gottvertrauen trösten? Das Spannungsfeld zwischen Verheissung und Realität führt oft zu spirituellen Konflikten. Und dort wo Religion zum System erstarrt, wo Macht ausgeübt wird, dort entstehen berechtigte Ängste. Wie kann man diese überwinden? Die Tagung beleuchtet Glaube und Angst aus theologischer, anthropologischer und psychologischer Sicht.
Corona hat auch Folgen für das Format der Tagung: Nach sechs Symposien des „Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie“ im klassischen Präsenzmodus werden die Vorträge erstmals in Form eines Online-Symposiums veröffentlicht.

Das Online-Symposium ist ein kostenloses Angebot des Marburger Instituts für Religion und Psychotherapie. Sie können aber gerne unsere Arbeit mit einer Spende unterstützen: 

IBAN DE50 5206 0410 0100 2020 45 

BIC GENODEF1EK1 Evangelische Bank Kassel.

Stichwort: Onlinesymposium MIRP

 

Mittwochs ab 14:00 Uhr wird das Video auf unserem YouTube Kanal gepostet.

Am 14.10. hat Prof. Dr. Thorsten Dietz über das Thema „Ein neues Zeitalter der Angst?! — Theologische Perspektiven“ gesprochen.

Polarisierung und Populismus der Gegenwart werden vielfach als Anzeichen eines neuen Zeitalters der Angst gedeutet. In seinem Vortrag führt Thorsten Dietz ein in die Diskussion über die Bedeutung von Ängsten in gesellschaftlichen Entwicklungen. Zugleich erinnert er an hilfreiche Einsichten der Theologie, wie man konstruktive und destruktive Umgangsweisen mit Angst unterscheiden kann.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=0BcXbOlPPH4&t=1s

Am 21.10. folgte Prof. Dr. Samuel Pfeifer zum Thema: Spirituelle Konflikte und Ängste – Persönlichkeitsfaktoren und Coping-Möglichkeiten

Angst ist eine grundlegende Emotion unserer Existenz. Der Vortrag gibt einen Überblick über 40 Jahre empirische Forschung in Bezug auf Religion und Angst. Was früher als „religiöse Neurose“ oder gar als „ekklesiogene Neurose“ beschrieben wurde, wird in der neueren Literatur als „spiritual struggles“ bezeichnet. Dabei zeigt sich, dass es nicht eine einseitige ursächliche Verbindung von Religion zur psychischen Störung gibt. Vielmehr spielt die Grundpersönlichkeit eine wesentliche Rolle, wie ein Mensch Religion in sein Leben integriert. Gerade hochsensible Menschen leiden an den Spannungsfeldern zwischen persönlichen Bedürfnissen und religiösen Ansprüchen. Es stellt sich die Frage nach dem therapeutischen Umgang mit der Angst. Wertvolle Hinweise ergeben sich dabei aus dem Coping-Konzept, das eine Annäherung an den Glauben ermöglicht, die nicht primär von Angst geprägt ist.

Link zum Video: https://youtu.be/fpRztyeAUOA

Am 28.10. ging es weiter mit Prof. Dr. Michael Klessmann und dem Thema: Angst im Glauben – wie im Leben!? – Pastoralpsychologische Überlegungen

„Wer glaubt, muss keine Angst haben“, heißt es gern in kirchlichen Kreisen. Das Ergebnis ist meistens eher ein schlechtes Gewissen als wirkliche Erleichterung. Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Klessmann wirft einen Blick auf das Phänomen Angst, die in der Geschichte sich wandelnden Angstanlässe, skizziert unterschiedliche biblische Traditionen zum Thema und befasst sich abschließend mit dem Umgang mit Angst in Seelsorge und Beratung. Es geht darum, so die These, Wege in der Angst zu finden, statt Angst grundsätzlich abzuwehren bzw. beseitigen zu wollen.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=-ATNvhpT1PQ

Am 04.11. folgte Dr. Stefan Jäger mit dem Thema Angstbearbeitung als theologische und spirituelle Aufgabe – Paul Tillichs Ontologie der Angst im (interreligiösen) Diskurs

So vielfältig wie die Formen der Angst, sind auch die Bemühungen zu ihrer Überwindung. Das qualifiziert das Phänomen Angst als Thema für den interreligiösen Diskurs gerade so verschiedener Religionsformationen wie Christentum und Buddhismus in besonderer Weise. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war es v.a. Paul Tillich, der vor dem Hintergrund einer Ontologie der Angst den Glauben neu entfaltet hat. Sein Bestseller The Courage to Be von 1952 findet bis in die Gegenwart starke Beachtung.

Aber auch für den Buddhismus ist Angst als eine Form von Leiden (dukha), das es zu überwinden gilt, ein wichtiges Thema. Eine buddhistische Perspektive auf die Angst und ihrer Überwindung soll anhand der Beiträge von Thich Nhat Hanh, der neben dem Dalai Lama gegenwärtig zu den einflussreichsten Vertretern des Buddhismus im Westen gehört, dargestellt und im Sinne komparativer Theologie ins Gespräch eingebracht werden.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v­bYcL5WKi4GU

Am 11.11. sprach Inge Tempelmann über das Thema Spiritueller Missbrauch — Angst und Trauma im frommen Kontext — Wege der Überwindung.

Während Glaube als erstaunliche Ressource in der Bewältigung von Angst neben anderen Lebensherausforderungen erlebt werden kann, ist es in spirituell missbräuchlichen Umfeldern genau umgekehrt. Dort wird Angst induziert und als treibender Motor für unterschiedliche Abhängigkeiten benutzt. Warum sich Menschen – ob in bestimmte Systeme hineingeboren oder nicht – auf Dauer autoritären, destruktiven Strukturen unterwerfen, ist eine spannende Frage. Sind es die Sehnsucht nach Autorität oder eine Neigung zu überhöhter patriarchalischer Macht, die sie in Abhängigkeit bringen und halten, oder gibt es ganz andere Einflüsse, die ihnen einen gesunden spirituellen Weg verwehren? Im Vortrag von Inge Tempelmann wird es darum gehen, unterschiedliche „Gesichter“ spirituellen Missbrauchs sowie deren Hintergründe in den Blick zu nehmen, die Faktoren zu verstehen, die offensichtlich oder verdeckt auf Menschen Einfluss ausüben und ihr Denken und ihr Bewusstsein verändern, die weit reichenden Konsequenzen für Betroffene zu benennen und Wege der Überwindung aufzuzeigen.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=ZNzs8AbfPgc

 

Weitere Infos auf: https://studium-religion-psychotherapie.de/symposium-2020/

Top