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Rekonstruktion narrativer Identität nach Sozialisation in der totalitär-religiösen Gemeinschaft "Colonia Dignidad"

Projektbeschreibung

In der Gemeinschaft “Colonia Dignidad“ in Chile lebten seit 1961 ca. 300 Deutsche nahezu abgeschlossen von der Außenwelt unter einem totalitär-religiösem Regime. Über einen Zeitraum von 40 Jahren bildete sich ein kultureller Mikrokosmos mit traumatisierenden Sozialisationsbedingungen, welche Individuation und menschliche Würde beschädigten. Dabei diente eine pseudo-urchristliche Privatreligion zur Begründung von fundamentalen Eingriffen in die Strukturen von Familie und Geschlechtlichkeit. Seit 2001 ist es zu einer zaghaften Öffnung der Sektengemeinschaft gekommen mit Möglichkeiten für psychotherapeutische Interventionen und Erhebung psychologischer Forschungsdaten.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Identitätskonstruktion derjenigen Mitglieder die in der „Colonia Dignidad“ geboren oder aufgewachsen sind und damit essentiell durch die kulturell-religiösen Sozialisationsbedingungen geprägt wurden.

Dafür wurden in zwei Feldforschungsaufenthalten sowohl Aussteiger und Remigranten nach Deutschland (n = 9) als auch in der Gemeinschaft Verbliebene (n = 14) mittels narrativer Interviews untersucht. Die Auswertung orientiert sich an dem qualitativ-erzählanalytischen Verfahren „Rekonstruktion narrativer Identität“ (Lucius-Hoene & Deppermann , 2004).

Projektrahmen

Projektleitung

Prof. Dr. Henning Freund

Laufzeit

09/2007 bis 12/2016

Förderung

Internationales Doktorandenkolleg „Interkulturelle Ätiolohie- und Therapiemodelle depressiver Sörungen im Vergleich Deutschland — Chile“

Vernetzung

  • Prof. Dr. Niels Biedermann, Universidad de Chile, Dpto. Psiquiatria, Santiago de Chile (Beauftragter des Auswärtigen Amtes für die psychotherapeutische Behandlung der Colonia Dignidad-Mitglieder in Chile)
  • Prof. Dr Susanne Bauer, Universität der Künste in Berlin (ehemals Mitarbeiterin im Psychotherapieteam des Auswärtigen Amtes für die Behandlung der Colonia Dignidad-Mitglieder in Chile)
  • Prof. Dr. Michael Utsch, Evangelisches Zentralinstitut für Weltanschauungsfragen, Berlin

Tagungen

  • Intercultural aspects of mental disorders: Clinical research in a globalized world. 11.-13.11.2010 in Heidelberg

Vorträge

  • 7.2.2017 Haus am Dom, Frankfurt/M
  • 13.3.2014 Studientag Weltanschauungsfragen der Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Frankfurt/m
  • Sept. 2011 Arbeitstagung Empirische Forschung in Psychotherapie und Seelsorge in Egenhausen
  • 11.-14.09.2011 Anthropologie und Kulturpsychologie der Religion(en) Universität Erlangen-Nürnberg
  • 24.11.2010 Kongress der DGPPN in Berlin

Publikationen

  • Freund, H. (2016): Gebetsgemeinschaft und Sozialstruktur. Von Mary Douglas Ritualtheorie zur Ritualdynamik. In: T. Dietz & H. Freund (Hg.) Gebet und Erfahrung. (SEHT 5), LIT-Verlag, Berlin, S. 171-194.
  • Freund, H. (2016): Bilder des Schreckens. Der Spielfilm über die Colonia Dignidad hält die Opfer auf Distanz. Psychotherapie& Seelsorge 3/16, S. 62-63.
  • Freund H (2012): Religion als Trauma und Bewältigungshilfe am Beispiel der totalitären Gemeinschaft Colonia Dignidad. In: M. Utsch (Hrsg.): Pathologische Religiosität. Genese, Beispiele, Behandlungsansätze. Stuttgart: Kohlhammer, S. 106-136.
  • Freund, H. (2008) „Colonia Dignidad“ Der Öffnungsprozess einer geschlossenen Gemeinschaft. In: EZW Materialdienst. Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen 71, S. 180–185.

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