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Symposium 2021 - Kopf und Herz vereint zusammen

Call for Papers

Kopf und Herz vereint zusammen

Grundlinien pietistischer Hochschulbildung

 

7. Symposium der Forschungsstelle Neupietismus der Ev. Hochschule TABOR
in Marburg an der Lahn am 29.-30.01.2021

in Kooperation
mit der Facharbeitsgruppe Historische Theologie des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT)

 

Zum Reformprogramm des Pietismus gehörte von Beginn an das Nachdenken über eine Erneuerung der Hochschulbildung. Schon Philipp Jakob Spener machte in seinen Pia Desideria von 1675 konkrete Vorschläge für eine Neukonzeption des universitären Theologiestudiums, in dem pietas et eruditio, Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, Hand in Hand gehen sollten. August Hermann Francke setzte dieses Programm daraufhin auch über die theologische Ausbildung hinaus in seinen Schulen und an der Universität Halle in die Realität um, was zu vielen richtungsweisenden Innovationen führte. Schon bald aber führte eine Überbetonung der Frömmigkeit gegenüber der Freiheit von Forschung und Lehre zu einem schnellen Niedergang der pietistischen Prägung der Musterhochschule Halle, die innerhalb kurzer Zeit von der Aufklärung absorbiert wurde. Die Ausweisung von Christian Wolff 1723 und seine Rückkehr 1740 waren dafür ein augenfälliger Ausdruck. Seitdem wurde das pietistische Bildungsideal an deutschen Universitäten nur noch von einzelnen Professoren gelebt, die es aber nicht leicht hatten, zwischen den Erweckungskreisen und den akademischen Diskursen zu vermitteln.
Das pietistische Bildungsprogramm eines geistlich gestalteten Studiums beschränkte sich daher im 20. Jahrhundert auf Ergänzungsangebote christlicher Hochschul-Gruppen oder Studienhäuser, sowie auf untere Ebenen der Ausbildung in Brüder- und Schwesternhäusern der Inneren Mission, in Bibelschulen und Theologischen Seminaren der Gemeinschaftsbewegung. Erst im 21. Jahrhundert kam es im Zuge einer zunehmenden Akademisierung zur Anerkennung einiger neupietistischer Ausbildungsstätten als Hochschulen in privater Trägerschaft. Damit integrierte man sich unter bewusster Beibehaltung des eigenen Frömmigkeitsprofils in die wissenschaftlichen Diskurse der deutschen Hochschullandschaft. Zur historischen Selbstvergewisserung rekurriert man nun einerseits auf pietistische Bildungskonzeptionen des Barock-Pietismus, darüber hinaus aber auch auf theologische Ansätze der Erweckungsbewegung, der positiven Universitätstheologie, der Bekennenden Kirche und der angloamerikanisch-evangelikalen Bildungslandschaft. Bislang ist allerdings nur sehr unscharf deutlich geworden, was das besondere Profil einer solchen „pietistischen“ Hochschulbildung heutzutage letztlich ausmacht, auf welche historischen Wurzeln man sich dabei berufen kann, und wie dies auch in anderen Fachdisziplinen als der Theologie gestaltet werden könnte. Das 7. Neupietismus-Symposium möchte dieser Frage tiefer auf den Grund gehen.
Folgende Aspekte der Thematik könnten zum Beispiel beleuchtet werden:

  • 500 Jahre protestantische Universitäten 2027: Das reformatorische Konzept evangelischer Hochschulbildung
  • Pietas und Scientia – ein Win-Win-Verhältnis?
  • Was macht das Bildungskonzept einer Hochschule „pietistisch“?
  • Das Spannungsverhältnis zwischen der Bindung an Schrift und Bekenntnis und der Freiheit von Forschung und Lehre
  • Konzeptionen einer kommunikationsfähigen pietistischen Universitätstheologie (z.B. Kähler oder Schlatter)
  • Karl Heim: Eine pietistische Weltsicht im Dialog mit den Naturwissenschaften
  • Das Bildungskonzept August Hermann Franckes in den Glauchaer Schulen – wirklich wegweisend für eine pietistische Hochschulbildung?
  • Der Eisenacher Bund als Versuch einer Vermittlung zwischen Gemeinschaftsbewegung und Universitätstheologie um 1900 – und warum er scheiterte
  • Spirituelles Bildungsmanagement – was könnte der spezifische Beitrag einer pietistischen Hochschule für die Bildungslandschaft im 21. Jahrhundert sein?
  • Philipp Jakob Speners Vision der Reform des Theologiestudiums und seine bleibende Aktualität
  • Kirchliche Hochschulen als Vorbild geistlich getragener Bildung?
  • Mehr als nur Studieren – Die Bedeutung der Persönlichkeitsbildung und der geistlichen Gemeinschaft für eine pietistische Hochschule

 

Gesucht werden Vorschläge für Beiträge innerhalb dieses Themenspektrums oder darüber hinaus, die zur Klärung der Thematik hilfreich und interessant wären.

Als Key Speaker wurde Prof. Dr. Christopher Gehrz von der Bethel University in Arden Hills/Minnesota (USA) gewonnen, der Herausgeber der Bücher The Pietist Vision of Christian Higher Education (2015) und The Pietist Option (2017).

 

 

Vortragsangebote mit einem Arbeitstitel und einem kurzen Abstract werden bis zum 31.03.2020 erbeten an:

Prof. Dr. Frank Lüdke

Forschungsstelle Neupietismus

Ev. Hochschule TABOR

Dürerstr. 43

35039 Marburg

frank.luedke@eh-tabor.de

06421-967-432

 

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