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Tagungsbericht des Symposiums 2012 - Glauben und Handeln in der Industrie

Tagungsbericht des Symposiums vom 18.06.2012

„Glauben und Handeln in der Industrie“

Am 18.6.2012 fand an der Evangelischen Hochschule TABOR ein Symposium mit 60 Teilnehmern zum 100. Todestag des christlichen Unternehmers Ernest Mehl (1836-1912) statt.

Das Symposium würdigte zum einen das Leben und Werk einer einflussreichen (und dennoch bisher kaum bekannten) Gestalt des Neupietismus. Darüber hinaus aber bot dieser Tag manche spannende Implikationen für die Herausforderungen der Gegenwart, da sich in der Person Ernest Mehls viele interessante Themen überlagern.

Zum einen war Ernest Mehl als Technischer Direktor der Augsburger Kammgarnspinnerei ein erfolgreicher Unternehmer, der sehr bewusst danach gefragt hat, welche Rolle der christliche Glaube für eine Führungskraft in der Welt der Industrie spielt.
Zum zweiten hat der Glaube Ernest Mehls dazu geführt, dass er um seine Fabrik herum vielfältige Einrichtungen zum Wohl seiner Arbeiter aufbaute. Er gilt heute als ein wichtiger Förderer der Arbeiterwohlfahrt im Deutschen Kaiserreich.
Zum Dritten füllte er diese soziale Arbeit mit einem bewusst missionarischen Akzent, und wurde so auch ein Vorreiter der Evangelisation und Blättermission in Bayern. Und daraus wiederum erwuchs eine Gemeinschaftsarbeit in Augsburg, die heute als die älteste Landeskirchliche Gemeinschaft im „Bund evangelischer Gemeinschaften“ gilt.

Aus seiner Verbindung zur Gemeinschaftsarbeit erwuchs dann schließlich Ernest Mehls letztes und vielleicht nachhaltigstes Lebensprojekt: Die Gründung der Hensoltshöhe in Gunzenhausen als Freizeitheim, Konferenzzentrum und schließlich als Diakonissen-Mutterhaus der Gemeinschaftsbewegung. Auch nach 100 Jahren ist gerade dieser große Gebäudekomplex in Gunzenhausen ein weithin sichtbares Zeichen für das Erbe Ernest Mehls.

Auf dem Marburger Symposium referierte zunächst Dr. Christoph Mehl, selbst ein Ur-Urenkel von Ernest Mehl, über dessen Leben und Werk. Er zeigte auf, dass das patriarchalische Unternehmertum Mehls im 19. Jahrhundert zwar in der heutigen Zeit nicht einfach kopiert werden kann, aber dennoch manche Aspekte seiner Unternehmensführung, wie z.B. die soziale Verantwortung, der persönliche Kontakt und die ganzheitliche Sicht auf den Angestellten, für ein christliches Management immer noch beachtenswert sind.
Außerdem ist bei Ernest Mehl bemerkenswert gewesen, dass er eine wertorientierte Unternehmensführung betrieben hat. Er formulierte eine Vision, Grundwerte und Leitsätze, und schuf damit Transparenz und Identifikation der Arbeiterschaft mit dem Unternehmen. Die Basis dafür war eine bewusst christlich ausgerichtete Unternehmensführung, von der man bis heute manches lernen kann.

In der Mittagspause konnte man an einigen Stellwänden mit historischem Material und vertiefenden Fragen miteinander ins Gespräch kommen.

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