Orientierung

Das postmoderne Verdikt

Die „mosaische Unterscheidung“ als Geburtsstunde und Verhängnis des jüdisch-christlichen Monotheismus (Jan Assmann)

Es ist eine überaus interessante und bis dato nicht beantwortete Frage, „warum sich der erbitterte Streit um den Monotheismus wie ein roter Faden durch die Kontroversen der Gegenwart zieht“.
In seiner Aufsehen erregenden Monographie „Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur“ und in der Verteidigung und Absicherung seiner Thesen in „Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus“ stellt Assmann die These auf: Der Ur-sprung des Monotheismus liegt in der auf die Wirkungsgeschichte der biblischen Mose-Figur zurückgehenden Mosaischen Unterscheidung von wahrer und falscher Religion. Wenn Assmann von „mosaischer Unterscheidung“ spricht, meint er Mose nicht als geschichtliche Gestalt, sondern als Gestalt der Erinnerung. Geschichtlich geht die Unterscheidung auf Amenophis IV (= Echnathon) zurück, der zwar eine geschichtliche Figur, aber keine Gestalt der Erinnerung gewesen ist. Da sich die Grundunterscheidung von wahrer und falscher Religion wirkungsgeschichtlich mit dem Namen des Mose und eben nicht mit dem des Echnathon verbindet, spricht Assmann von „Mosaischer Unterscheidung“. Die Offenbarung des wahren, einen Gottes führt in der Welt der Religion(en) zu einer Unterscheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen, richtigem und falschem Kult, wahrer und verwerflicher Religion. Die „Mosaische Unterscheidung“ als Fundamentaldistinktion des Monotheismus stiftet nicht nur Orientierung und Identität für ihre Anhänger, sondern generiert, so Assmann, eine Welt „voller Konflikt, Intoleranz und Gewalt“. Die Welt zerfällt nun in wahr und falsch, d. h. in absolut begründete Distinktionen, und Resultat dieser „Mosaischen Unterscheidung“ ist eine sich „mit Notwendigkeit ergebende Intoleranz“.

Tangens Institut

Wie der Name „TANGENS“ assoziieren lässt, geht es um die Berührung von zwei Größen, bei unserem Institut um den Kontakt zwischen Evangelium und sich immer weiter säkularisierender und immer pluraler werdender Lebenswelt. TANGENS ist Dienstleister für Kirchen und Freikirchen, Einrichtungen im christlichen Raum und darüber hinaus. Das Institut arbeitet unter anderem mit dem SINUS- Sozialforschungsinstitut, Heidelberg/ Berlin zusammen und versteht sich als Bindeglied zwischen empirischer Sozialforschung einerseits und christlich-kirchlichen Einrichtungen, die sich zum Ziel setzen, das Evangelium auch in unserer pluralen und hoch ausdifferenzierten Gesellschaft „allem Volk auszurichten“, also alle Menschen zu erreichen.

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